Artikel aus der Zeitschrift „Motor und Sport” vom 16. September 1934

Gerade das 500-ccm-Kardan-Modell der Nürnberger Zündapp-Werke ist in der heutigen Ausführung eine wirklich reife, ausgeglichene Konstruktion, die nur noch in einigen Kleinigkeiten verbessert werden kann und wird. Die Maschine ist sehr gesund, zäh und ausdauernd. Es ist ein Kardanmodell, bei dem die Vorzüge des Wellenantriebes voll zur Geltung kommen. Wir wissen ja - und das kann nicht oft genug betont werden -, daß das Rad mit Wellenantrieb, mit Stahlblechrahmen und Zweizylindermotor wie die Zündapp „K 500” seine volle Berechtigung hat, aber genau so auch die bewußt primitive und selbstverständlich wesentlich billigere Einzylinder-Kette-Kette-Maschine.

Gut geformte Armaturen, großer Tankeinguß

Ein ästhetischer Genuß
Küchen, der so tüchtige Konstrukteur der neuen Zündapp-Maschine ist der Ansicht, daß die Motorräder immer noch schöner und ausgeglichener in der Form werden können. Das ist gut so, und Küchen wird uns hoffentlich noch so manches Jahr mit neuen Modellen in den verschiedensten Klassen überraschen. Aber trotzdem müssen wir darauf hinweisen, daß gerade die großen Kardanmaschinen von Zündapp schon bei ihrem Erscheinen 1933 eine Sensation darstellten, und zwar eigentlich nicht durch Motor, Antrieb oder Stahlblechrahmen, sondern durch die Schönheit der Konstruktion, die man beim Kraftrad in dieser Form noch gar nicht kannte. Insbesondere der Motorblock, den wir im letzten Bild sehen, ist ein kleines Meisterwerk in Form und Aufbau. Es ist hier gelungen, die sonst beim Motorrad immer „herumstehenden” Zubehöraggregate, wie Unterbrecher, Zündspule, Vergaser usw., organisch in einen geschlossenen Körper einzufügen und doch durch leicht zu öffnende Deckel für eine ausreichende Zugänglichkeit zu sorgen. - Wir wollten sagen: Nicht der Wellenantrieb oder der Stahlblechrahmen sind neu, aber die Formschönheit des gesamten Rades und der einzelnen Aggregate ist etwas im Motorradbau sehr Seltenes!

Auch das Zubehör ist gekapselt
und doch gut zugänglich

Kardan, Kette, Federwelle
Die 500-ccm-Maschine, deren Grundkonstruktion auch Ihnen bereits bekannt ist, hat einen sogenannten Zweizylinder-Boxer-Motor mit ausgeglichenem Lauf, fest angeblocktes Getriebe und Wellenantrieb. Wir wissen, daß beim Wellenantrieb irgendwie der Abstand zwischen der in der Mitte laufenden Kurbelwelle und der seitlich laufenden Antriebswelle überwunden werden muß. Das geschieht durch Zwischenräder, durch einseitige Versetzung des Motors oder durch Schrägstellung der Maschine. Bei den Zündapp-Wellenmaschinen ist ein für den Motorradbau neuer Weg durch Verwendung des Kettengetriebes gewählt.

Die „K 500” gehört unbedingt zu den schönsten Motorrädern

Die Getrieberäder greifen also nicht direkt ineinander, sondern der hier sowieso erforderliche Abstand wird durch kurze Ketten überwunden. Auch das ist bekannt, aber immer wieder tauchen Bedenken über das Kettengetriebe auf, alle Fahrer wissen nicht recht, warum dieses Kettengetriebe von Zündapp gewählt wurde. Deshalb lassen wir die Zündapp­Werke einmal selbst sprechen. Sie sagen etwa folgendes: Die Kette ist ein ausgezeichneter Stoßdämpfer, weil sie die Verbindung von Zahnrad zu Zahnrad nicht in einer Geraden, sondern in einer Wellenlinie herstellt. „Da nun jeder Kraftstoß des Motors die Kurbelwelle zur Vorauseilung anregt, wird diese Wellenlinie jedesmal wie eine Feder auseinandergezogen.” Die kurze Duplexkette arbeitet im Oelbad geräuschschwach mit unbedingter Bruchsicherheit; sie hat den Zweck, dem Wellenantrieb - dessen Vorzüge bekannt sind - die Weichheit des Kettenantriebes zu geben. „Aber der Zündapp-Kardan hat noch einen zweiten Stoßdämpfer. Wird das gewellte Kettenstück durch unvermittelte Stöße bis in die Strecklage gedehnt, erfolgt also die Uebertragung durch geraden Kettenzug, so tritt die Kardanwelle (ein hochpolierter Rundstab aus bestem Federstahl) selbst in Tätigkeit. Diese läßt alle elastischen Verdrehungen bis zu 10 Grad Drehwinkel zu.”

Hydraulischer Federstoßdämpfer
Wohl zum ersten Male im Motorradbau wurde im vorigen Jahr von Zündapp mit dem serienmäßigen Einbau von hydraulischen Stoßdämpfern begonnen, wie sie im Automobilbau bereits seit Jahren eine Selbstverständlichkeit sind. Der Oeldruckdämpfer läßt sich sehr sorgfältig einregulieren und hat nur den einzigen Nachteil, daß er verhältnismäßig teuer ist. Prinzipiell wurde bereits bei den Versuchen mit der 800-ccm festgestellt, daß die Dämpferwirkung eine ausgezeichnete ist. Selbst auf Schlaglochstraßen kommt die Feder immer wieder schnell zur Ruhe, wenn Dämpfer und Reifenluftdruck richtig eingestellt sind. Es war nun interessant, einmal die Bedeutung der beiden Dämpferteile zu untersuchen. Bisher wird von Zündapp ein doppelseitig wirkender Dämpfer für die Auf- und Abwärtsschwingung der Gabel eingebaut. Die Versuche mit den verschiedensten Einstellungen und einem einfach wirkenden Dämpfer zeigten, daß die Dämpfung des Rückstoßes vollauf genügt. Als ideale Lösung (die sogar billiger wird) erscheint uns der hydraulische Rückstoßdämpfer und eine Handverstellung (durch Kabel) der sowieso vorhandenen Reibungsplatten an den unteren Gabelbolzen. Damit ist die beste Anpassung an Straße und Belastung zu erreichen.

Der Schnitt zeigt interessante Einzelheiten des 500-ccm-Zweizylindermotors

Das Modell 1934
1933 zum ersten Male der Oeffentlichkeit übergeben, ist das Modell 1934 bereits mit wesentlichen Verfeinerungen ausgestattet, eine ausgereifte Maschine. Verbessert wurde die Druckschmierung. Die Kolben wurden verlängert. Auch bei dieser Maschine wurde die Ventilkammer vom Zylinder getrennt, wodurch die beste Kühlung erreicht wird. Die kleinen 14-mm-Zündkerzen stehen fast senkrecht und dadurch besser geschützt; die Oelwanne ist auf 2,5 Liter vergrößert. Die Nachstellung der Kupplung kann von außen erfolgen. Der Schalthebel wurde verlängert. Damit sind wir bereits wieder bei einem kritischen Punkt. Wir hätten gern, daß die Maschine im nächsten Jahr Tankschaltung bekommt. Aber das kostet Geld, und man kann schließlich nicht immer wieder die Ausstattung in der Herstellung verteuern und doch - wie ja auch Sie das wünschen - den Verkaufspreis beibehalten oder gar verringern. Aber vielleicht findet sich auch hier eine Lösung. So ist der erwähnte einfache Stoßdämpfer billiger. Die Differenz könnte der Schaltung zugutekommen. - Im übrigen läßt sich der lange Schalthebel jetzt über das Knie weg schalten.

Der Fahrcharakter
Die Zündapp „K 500” ist eine in jeder Beziehung schöne Maschine. Bei der Elastizität des Motors läßt sie sich besonders leicht fahren, weil überhaupt nur die Regulierung des Gasdrehgriffes erforderlich ist. Sitzposition, Kniekissen und all diese Dinge sind gut. Wir kennen das von der 800-ccm her. - Die Höchstgeschwindigkeit der Versuchsmaschine, die schon manchen „Sturm” hinter sich hatte, wurde mit etwas unter 90 km/ Std. gestoppt. Interessanter sind die von der Versuchsabteilung durchgeführten Messungen mit einer der Serie entnommenen Maschine, die nach der Einfahrzeit eine Spitzengeschwindigkeit von 93 km/ Std. hatte und eine Verbrauchskurve von etwa 3,2 bis 4,8 Liter je 100 km.           J. F.

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