Auszug aus der Zeitschrift "MOTOR und SPORT", Pössnek, Heft 48 vom 27. November 1938:

Zündapp „KS 500“ Gespann (500 ccm)

Die KS 500 mit dem neuen, gut geformten Schwingsattel:

Im Herbst und Winter sehnen sich viele nach dem “dreibeinigen” Gespann, und deshalb taucht immer wieder die Frage auf: “Was leistet ein Motorrad, wenn ich einen bequemen Seitenwagen anbaue ?” – Deshalb soll an dieser Stelle hin und wieder ein Prüfungsbericht von einem Gespann der verschiedensten Klassen erscheinen. Zunächst wurde eine „KS 500“ gewählt, die sich seit langem bewährt, und die einen wirklich leistungsfähigen, ausgeglichenen, kopfgesteuerten Zweizylindermotor besitzt, der zu den besten dieser Klasse gehört. – Das Motorrad ist normal ausgestattet, nur daß natürlich für den Seitenwagenbetrieb die entsprechende Untersetzung gewählt wurde.

Das Motorrad

Ueber die „KS 500“ noch viel zu sagen, erübrigt sich. Der gegenläufige Zweizylindermotor hat hängende Ventile, alles ist gut gekapselt und doch leicht zugänglich. Angeblockt ist das seit Jahren bewährte Kettengetriebe, das auch den Abstand zwischen Kurbelwelle und Antriebswelle überwindet und gleichzeitig als Stoßdämpfer dient. Ein zweiter Antriebsstoßdämpfer ist die Welle selbst, die als Torsionsstab in der Lage ist, Stöße, die vom Motor oder vom Hinterrad kommen, zu dämpfen.
Der Stahlblechrahmen ist kräftig und hat normale Formen. Ebenso die Vordergabel. Bei dem früheren 500-ccm-Modell war die Federung des Rades nicht sehr weich und ausgeglichen. Es ist deshalb zu begrüßen, daß an der Gabel einige Aenderungen gemacht wurden. Sie arbeitet mit zwei geschmeidigen Druckfedern und einem Oeldruckstoßdämpfer. – Besonders nötig und wichtig war ein guter Sattel. An Stelle des Druckfedersattels ist ein einstellbarer Schwingsattel eingebaut, der zwar eine nicht sehr nachgiebige, aber große und gut geformte Sitzfläche hat. Durch den Schwingsattel ist der Fahrkomfort nicht unwesentlich verbessert worden.

Schnitt durch den "KS 500"-Motor

Der Seitenwagen

Angeschlossen wurde ein normaler Stoye-Seitenwagen mit der Typenbezeichnung „TS-Luxus“. Dieser Wagen hat einen normalen Rahmen, der aus Rohren und einem kastenförmigen Hauptträger (verwindungssteif) besteht. Die Verbindung zwischen Wagen und Motorrad erfolgt durch drei Streben, wobei zwei die bekannten Kugelschnellanschlüsse besitzen. Die Mittelstrebe ist einstellbar, was im Gelände, bei wechselnder Belastung de Seitenwagens und bei stark gewölbter Straße als sehr angenehm empfunden wird. Die Karosserie dieses Seitenwagens ist geräumig. Man sitzt bequem und hat eine ausreichende Fußfreiheit. Im Heck ist ein brauchbarer Kofferraum untergebracht, außerdem kann noch weiteres Gepäck auf den Metalleisten des Kofferraumes angeschnallt werden. Die Sitzfläche und Lehne des Seitenwagens ist weich gefedert, was sehr wichtig ist, da die Karosseriefederung niemals alle Stöße ausreichend abfangen kann. Zur Ausstattung der Karosserie gehört eine Windschutzscheibe und eine Gummipolsterarmlehne.

Die Karosserie ist vorn drehbar gelagert und hinten an gekapselten Schraubenfedern links und rechts aufgehängt. Auch das Seitenwagenrad ist für sich gefedert, und zwar ebenfalls unter Verwendung gekapselter Schraubenfedern. Die Federwirkung ist beim Rad und bei der Karosserie gut, aber nicht übermäßig weich.

Nach dem Abheben der Ventilschutzkappen sind die Ventile zum Nachstellen gut zugänglich:

Das Gespann

Die „KS 500“ und dieser Stoye-Tourenseitenwagen ergeben zusammen ein einheitliches, gut aussehendes Gespann. Dieses Gespann ist leicht zu fahren und behält durch die Kraft des Motors eine ausreichende Lebendigkeit. Etwas störend ist nur, daß durch die Rahmenform und den Anschluß des Seitenwagens der rechte Fußraum für den Fahrer sehr eng wird, was bei Betätigung der Hackenbremse und der auch rechts liegenden Fußschaltung stört.

Doch nun zu den Messungen, die mit diesem Gespann gemacht wurden. Immer waren Motorrad und Seitenwagen mit zwei schweren Personen besetzt, was natürlich auf die Leistung und den Verbrauch einen Einfluß hat.

Trotz ungünstigem Wind konnte eine Höchstgeschwindigkeit von 95 km/st gemessen werden. Auch die Beschleunigung war nicht schlecht, brauchte das Gespann doch nur 9 Sekunden im dritten und 14 Sekunden im vierten Gang, um von 30 auf 60 km/st zu kommen.

Gerade bei dem Gespann mit seinem hohen Luftwiderstand ist die Verbrauchskurve natürlich in hohem Maße von der Geschwindigkeit abhängig. Bei einer gleichbleibenden Geschwindigkeit von 70 km/st wurde knapp 6,5 Liter je 100 km gemessen. Der Verlauf der Kurve geht aus der Skizze klar hervor.

Alles in allem, handelt es sich hier um ein leistungsfähiges Reisegespann, mit dem man auf allen Straßen schnell vorwärtskommt.

Maßzeichnung

Technische Angaben:

Motortyp:

Ventilanordnung: hängend; Inhalt: 498 ccm; Hub 66.6 mm; Bohrung: 69 mm; Verdichtungsverhältnis: 1:6.6; Schmierung: Umlauf-Druck; Vergasertyp: Zweimal Amal 75/ 422 S, Vergasereinstellung: 100-II, Zündung: Noris-Lichtbatteriezünder, Zündkerzentyp: Bosch W 225 T1.

Getriebe und Antrieb:

Getriebetyp Zündapp Kettengetriebe; Übersetzung: I. Gang 1:3; II. Gang: 1:1.8; III. Gang: 1:1,14; IV. Gang: 1:0.88; Antriebsart: Kette/ Welle.

Fahrgestell:

Tankinhalt: 12.5 Liter; Rahmen: Stahlblech; Federung: Stahlblech - zwei Druckfedern, Bremstrommeldurchmesser: 200 mm; Bereifungstyp: 3.5 x 19; Gewicht, fahrfertig (Tank voll) 304 kg;

Preis:

1350,- RM und 325,- RM (alle 3 Räder auswechselbar: 20,- RM).

J.F.

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